Wir können eine gute Einsicht in das
Unterrichtsjahr 2005/2006 auf dem Tschangoland erwerben, falls wir den
von Herrn Szilárd Dané gedrehten, rund eine Stunde langen Film herunterladen.
Der Film wurde auf den Unterrichtsorten von dem Ungarischen Fachleiter,
Herrn Szilárd Dáné während seiner Kontrollreise im Mai 2006 gedreht.
Die früheren Erfahrungen des Fachleiters mit dem Fernsehen sind auf
dem Film ersichtlich, dieser ist nämlich ein gut geschnittenes Material,
der gedacht ist, den vom Fachleiter in schriftlicher Form vorbereiteten
Bericht auch in Bildern zu unterstützen. Es ist jedoch wichtig zu betonen,
dass der Film keinesfalls beabsichtigt, den Unterricht in einen breiteren
gesellschaftlichen Kontext zu legen, dessen Ziel ist vielmehr die Vorstellung
der Ungarischstunden, deren Orte, bzw. deren Aufzählung von Dorf zu
Dorf. In den staatlichen Schulen hat er nur wenige Gelegenheit gehabt,
die Kamera zu benutzen, da die Leiter der Schulen in diesem Sinne empfindlich
sind. Daher sehen wir auf dem Film vielmehr Standorte außerhalb der
Schule.
Unsere liebe Bekannten, die Patronen
unserer Schüler haben mit einem großen Schwung und mit großer Begeisterung
den Klub - zu dessen Gründungssitz am 28. August 2006 in Budapest, im
Gemeinschaftshaus "Háló" auch ich eingeladen wurde - auf die
Wege geleitet.
Die Idee, durch das Patenprogramm nicht nur die in Moldawien Ungarisch
lernenden Kinder, sondern selbst die Unterstützer zusmmenzuführen, ist
im Laufe des Sommers geboren. Herr Lajos Gyöngyössy, Patenvater hat
in den letzten Monaten bereits zweimal eine gemeinsame Reise organisiert,
im Rahmen deren mehrere von den Unterstützern das von ihnen unterstützte
Kind besuchen, eine Einsicht in seinen Alltagen, in seine Lebensführung
und in den Gewohnheiten verschaffen konnten.
Während dieses gemeinsamen Sommerprogramms ist die Idee aufgetaucht,
dass die Paten nicht nur während der Reise, sondern bei der Veranstaltung
von Sommerlagern für die Kinder, bei Sammlung von Unterrichtsmaterialien
oder bei Organisierung von Wohltätigkeitsveranstaltungen zusammenhalten
könnten.
Abgesehen von dem grundsätzlichen Ziel der Veranstaltung bildeten vorwiegend
Fragen zum Patenprogramm das Thema der Unterhaltung. Gemeinsam mit Frau
Szilvia Róka haben wir über die Geschichte des ungarischen Unterrichts
in Moldawien und ferner darüber berichtet, was wir - Dank des Beitrags
der Paten - in dem bereits geendeten Unterrichtsjahr erreicht haben,
bzw. mit was für Vorstellungen und Plänen wir in dem neuen Unterrichtsjahr
starten.
Wir beobachten mit großer Erwartung diese Initiative, und hoffen darauf,
dass diese Idee unsere gemeinsame Angelegenheit vorantreiben wird.
Melinda Hegyeli, Koordinatorin für das Programm "Werden Sie
zu Paten, Patin!" Photos
Dieses Jahr habe ich entschlossen, meinen
Sommerurlaub mit einer Tätigkeit verbringen zu wollen, die sowohl für
die Mitmenschen nützlich ist, als auch für mich Erfahrungen mitbringen
kann. Aus Gnade Gottes wurde ich von meinem Schicksal nach Moldawien
geführt, im Juli habe ich gute zwei Wochen auf dem Tschangoland verbracht.
Ich habe die Website des Verbandes der Tschango-Ungaren auf dem Internet
gefunden und habe mich auf "Blitzpost" (E-Mail) ins Büro des
Verbandes in Bákó als Freiwillige beworben. Die positive Rückmeldung
hat mich ermuntert und ich wurde tatsächlich mit großer Liebe empfangen,
als ich am 2. Juli nach einer langen Bahnreise in Brassó angekommen
bin ..., von wo ich dann mit dem Auto hinter die Karpaten mitgenommen
wurde.
Bákó, oder Bacau, wie die Stadt auf Rumänisch heißt, ist eine besondere
Stadt, wo sich die sozialistische Stadtplanung und die Stimmung des
Balkans mit einem eigenartigen rumänischen Lebensgefühl vermischen.
Meine Gastgeber, Attila Hegyeli, der Verantwortliche des Tschango-Ungarischen
Unterrichtsprogramms und seine Frau Melinda, die Koordinatorin für das
Patenprogramm haben für mich in ihrer Mietwohnung in Bákó Unterkunft
gesichert. Der Charakter ihres Wohnortes hat die Grundstimmung gegeben,
die erstrangige Funktion der Wohnung ist nämlich, den Reisenden ein
Zuhause zu bieten. Während meines Daseins habe ich die Gelegenheit gehabt,
in fast allen Räumlichkeiten zu übernachten; Lehrer aus den tschango-ungarischen
Dörfern, Mitarbeiter und meine "ständige Kommilitone", die
ebenfalls "freiwillige" (obwohl sie diese Bezeichnung nicht
mag) Andrea Pajor aus Budapest haben dort ebenfalls eine Unterkunft
gefunden. Sie ist in der Zwischenzeit nach Tschangoland zurückgekehrt
und es scheint so, dass der Geist des Ortes sie für längere Zeit dorthin
fesselt. (Gemäß ihren Worten hat sie zum ersten Mal das Gefühl gehabt,
dass sie mit ihrem Leben zufrieden ist und nützlich sein kann. Ich wünsche
ihr, in diesem Gefühl weiter gestärkt zu werden!)
Den großen Teil meines Alltags verbrachte ich im Innenstadtbüro des
Verbandes, übersetzte größtenteils englische, bzw. deutsche Texte für
die Website www.csango.ro. Ich erledigte die Fremdsprachenkorrespondenz
der Organisation, unter anderen – für meine große Freude - mit dem sich
für die Volksmusik der Tschango-Ungaren interessierenden Akademiker
der Harvard Universität. Die Mitarbeiter der Organisation arbeiten in
der Tat gewissenhaft, oft unter schwierigen Verhältnissen. Obwohl ich
persönlich keine feindliche Einstellung seitens der rumänischen Durchschnittsmenschen
erlebt habe, die örtliche Politik versucht jedoch die Arbeit der Organisation,
insbesondere die Sache der ungarischsprachigen Bildung zu hindern. Regelmäßig
erscheinen in der Zeitung die Organisation in Diskredit ziehende Artikel,
das E-Mail System des Verbandes wurde mehrmals aufgebrochen, sogar wurde
vom Büro während meines Daseins durch unbekannten Missgönner ein Computer
mit vertraulichen Daten gestohlen. Trotzdem sind die Mitarbeiter und
die Lehrer fröhlich und optimistisch; das wenige Geld, von dem sie bewirtschaften
versuchen sie so einzuteilen, dass es für alles reicht.
Um mich von der städtischen Arbeit loszulösen hatte ich an den beiden
Wochenenden die Gelegenheit gehabt, die umliegenden tschango-ungarischen
Dörfer zu besuchen, wobei ich keinesfalls alle davon besuchen konnte.
Auch während den wenigen, in dem Zuhause von tschango-ungarischen Familien
verbrachten Tagen konnte ich die Ehre gegenüber dem Gast, das Gefühl
des "Willkommens" fühlen, die ich in Moldawien während meines
ganzen Daseins miterlebt habe. Es war schwer, sich an den sättigenden,
schweren örtlichen Gerichten zu gewöhnen, insbesondere in der sich auf
dem Tisch jeweils erscheinenden, überraschend großen Menge. Ich habe
daher schnell verstanden, warum erscheint der die Verdauung erleichternde
hausgemachte Schnaps (pálinka) als ständiger Bestandteil der Hauptmahlzeiten.
Sie sind nicht reich an materiellen Gütern, die Großzügigkeit, der Wille
zum Geben ist jedoch ein gemeinsames Merkmal für sie alle. Ich habe
Freundschaft geschlossen mit einem tschango-ungarischen jungen Mann
namens Andrei, den ich davon nicht abreden konnte, für mich einen wertvollen,
charakteristischen tschango Teller als Souvenir zu kaufen. Auch die
tschango-ungarische Mutter aus Klézse mit ihrer Töchter, die die herkömmliche
Tracht, das handgetickte Festkleid stolz vorgezeigt und eine spontane
Volkstrachtmodeschau gehalten haben, waren ein gutes Erlebnis. Im Dorf
Somoska war ich sehr gerührt, als zu Begrüßung der besuchenden Paten,
fern vom Mutterland die in Volkstracht angezogenen Kinder auf Ungarisch
gesungen haben.
Über die Lage des tschango-ungarischen Unterrichts ist es nicht nötig
etwas zu schreiben, über die Gegenwart und die zukünftigen Möglichkeiten
des ungarischen Unterrichtes in Moldawien schreibt Attila Hegyeli in
seinem, auf der Website des Verbandes zugänglichen Schreiben, das die
Wahrheit widerspiegelt. In Moldawien wurde es mir klar, dass der Tschangoverband
eine der Frontlinien der ungarischen Kultur im einundzwanzigsten Jahrhundert
bildet. Sie verrichten eine sehr wichtige Arbeit und es ist wichtig
für uns alle zu verstehen, was für Last auf ihren Schultern liegt. Attila
hat es mir erzählt, er sei manchmal ergriffen, wenn er daran denke,
dass was er mit seinen Kollegen angefangen hat, auf keinen Fall eingestellt
werden darf und kann. Sollte nämlich das Unterrichtsprogramm trotz aller
Begeisterung und Kraftanstrengung den Schwung verlieren, werden sich
die Familien in den Dörfern – die oft in nicht zu vernachlässigenden
Risiken eingehen um ihre Kinder auf Ungarisch unterrichten zu lassen
– reingelegt fühlen. Sie sind die letzte Generation, die noch lebende
ungarisch sprechende Verwandte (größtenteils Grosseltern) haben. Es
gibt daher keinen Halt, weil wenn jetzt nicht, dann niemals wird es
auf dem Tschangoland ungarischsprachigen Unterricht geben.
Letztlich soll ich auch die Hilfsbereitschaft, die ich seitens der Mehrheitsbevölkerung
erlebt habe, erwähnen. Das beste Beispiel darauf ist die für mich zuvor
völlig unbekannte, nette rumänische Familie. Auf dem Bus von Bákó nach
Brassó konnte ich durch Vermischung des Französischen mit dem Englischen
eine Unterhaltung mit einer jungen Dame führen, die dann auch bei der
Orientierung auf dem Bahnhof in Brassó behilflich war. Wie es sich herausgestellt
hat, hatte ich acht Stunden auf den Zug nach Budapest zu warten. Als
sie das gehört hat, ist sie plötzlich verschwunden und gleich danach
mit ihrer Familie zurückgekehrt, die angeboten haben, mich auf einen
Ausflug mitzunehmen. Wir haben den Schloss Bran besucht und die Berge
rundum Brassó besichtigt (es war für sie selbstverständlich, mich für
nichts bezahlen zu lassen), sie haben mir Abendbrot gegeben und mich
zum Bahnhof zurückgeliefert 15 Minuten vor Abfahrt meines Zuges. Soviel
über die Vorurteile!
Insgesamt halte ich es zu einer großen Gnade, dass diese Reise nach
Moldawien mir gegeben wurde. Ich habe von großartigen Menschen, die
ich getroffen habe, sehr viel gelernt: Ausdauer, Berufung und die -
für mich anfangs gänzlich überraschende, für sie jedoch selbstverständliche
- Großzügigkeit.
Während des Sommers haben Freiwillige
unsere Arbeit unterstützt. Tamás Fehér und seine Freunde haben uns bei
der Renovierung des Hauses in Csík große Hilfe geleistet.
Andrea Pajor ist von Budapest gekommen
und hat zwei Monaten lang bei der Organisierung von Sommerlagern für
die Kinder und bei den Büroarbeiten geholfen; sie hat auch den kleinen
Lagerraum des Verbandes in Ordnung gebracht. Darauf folgend hat sie
es überlegt und hat sich als Lehrerin in Moldawien eingestellt, sie
wird in den Dörfern Csík und Külsõrekecsin unterrichten.
Letztlich sollen wir auch den Namen von Ádám Gerencsér erwähnen, der
seine Studien in England führt, hat sich jedoch für einige Monten an
uns angeschlossen, für uns gearbeitet und mit seiner Arbeit den Verband
unterstützt. Seine persönliche Erlebnisse und sein Bericht stehen unten.
Gott soll sie für ihre Güte belohnen, wir erwarten sie auch im nächsten
Jahr!