Im August 2007 sind wir nach Diószeg
gezogen, nachdem es uns - auf abenteuerlicher Art und Weise -
gelungen ist ein ziemlich großes Haus zu mieten. Aus eigenen Kräften
und aus den Zuwendungen der Pateneltern haben wir begonnen, das
gemietete Haus - in dem sogar zwei Unterrichtsräume ausgestaltet
werden konnten - zu verschönern. Die Sanierungsarbeiten haben
sich - wegen Hindernisse und Naturplagen - bis Mitte Dezember
verzögert, aber bereits vor dem Besuch des Christkindes konnten
wir mit der eigentlichen Arbeit, wofür wir nach dem Tschangoland
gekommen sind, beginnen. Im Januar 2008 haben sich bereits 55
Kinder zu uns angemeldet, die wir - nach Einteilung in Gruppen
- wöchentlich dreimal zu den Unterrichtsstunden erwartet haben.
In den ersten zwei Wochen kamen begeistert und stabil etwa 30
Kinder, wobei an einem Montag nur sehr wenige (2-3) Kinder an
den gemäß dem Stundenplan erfolgenden Stunden erschienen sind.
Wir haben es nicht verstanden, was passiert ist, wobei es sich
danach herausgestellt hat, dass die Kinder von den Lehrern der
örtlichen Schule eingeschüchtert wurden, unsere Ungarischstunden
zu besuchen. Sie haben den Eltern erklärt, dass es den Kindern
nachteilig ist, die ungarische Sprache zu lernen, da sie in der
Weise die rumänische Sprache entsprechend nicht erlernen können,
ferner vernachlässigen sie wegen den Nachmittagsstunden die Hausaufgaben.
Die Kinder wurden damit eingeschüchtert, dass wenn sie auch im
Weiteren zu uns kommen, wird man das Ergebnis in dem halbjährigen
Zeugnis sehen können. Wir haben einige Eltern zu Hause besucht,
wo wir sogar darüber verständigt wurden, dass unser Haustor von
den Lehrern beobachtet
wird und wenn Kinder trotzdem zu uns
kommen, kriegen sie am nächsten Tag sofort eine Rüge und bekommen wesentlich
mehr Hausaufgabe als was üblich ist. Es hat sich ferner herausgestellt,
dass mehrere Eltern sogen von dem Elternabend in der Schule abwesend
waren, weil sie Angst vor Angriffe hatten. Trotzdem haben 15-16 Kinder
unsere Stunden auch im Weiteren untersucht, der Unterricht ging bis
zum 6. März 2008 weiter.Dann wurden wir darüber informiert, dass der
römisch-katholische Pfarrer in der Dorfkirche an der Nachmittagsmesse
am Mittwoch verkündigt habe, dass zukünftig keine Kinder in der ungarischen
Schule was zu tun hätten.
An der Messe hat der Pfarrer den Gläubigern gesagt, er habe erst jetzt
erfahren, da er es bislang nicht gewusst hätte, dass in dem Dorf seit
Dezember des vorigen Jahres Ungarischstunden gehalten würden. "Wer
weiß was für eine Sekte es ist? Die Fremden sollen zu mir kommen, damit
ich mit denen reden kann, nicht dass wir es erfahren, dass sie uns von
unserem Glauben verbieten wollen.
Ich habe sogar gehört, dass sie den Kindern Bücher geben, sie sollen
auch diese zu mir bringen, damit ich lesen kann, was darin steht. Obwohl
ich ungarisch nicht lesen kann, lasse ich mir das von XY übersetzen.
Sie wollen das Haus von XY kaufen und man weißt nicht was sie dort treiben
werden, was für eine Sekte da tätig wird. Sie locken die Kinder mit
Süßigkeiten, mit Säften und versprechen ihnen sogar 2000 Euro - das
habe ich von den Kindern gehört. Sodass will ich kein einziges Kind
erwischen, dass es in die ungarische Schule geht!" - hat er sich
vom Alter beschwert.
(Erklärung zu den Gesagten: Das Buch, wovon der Priester geredet hat,
ist die Zeitschrift "Reverinda", was eine kostenlose Kinderausgabe
unseres Verbandes ist. Die 2000 Euros bedeuten die Unterstützung des
ungarischen Staates von HUF 20.000,-, was allen in Rumänien lernenden
Kindern erteilt wird, falls sie Ungarisch lernen.)
Unsere gute Nachbarn haben uns gleich am Mittwoch Abend besucht um uns
zu informieren, dass es ab nächsten Tag keine Kinder geben wird, die
zu uns kommen und dass der Pfarrer uns die Nachricht sendet, wir sollen
bei ihm vorbeigehen uns nachzuweisen und Akten darüber vorzuzeigen,
wer wir sind und zu erklären was und warum gemacht wird. Die an der
Messe Gehörten wurden uns erzählt und behauptet, der Pfarrer habe die
Kinder und die Eltern sogar dreimal aufgefordert, nicht zu uns zu kommen.
Am Donnerstag am Nachmittag haben wir den Pfarrer besucht, der uns höflich
empfangen hat.
Unser Gespräch wurde damit begonnen, dass er von uns Rechenschaft gefordert
hat, warum wir nach unserem Ankommen nicht bei dem Bürgermeister, bei
der Polizei und bei ihm vorbeigekommen sind, darüber zu berichten, wer
wir sind, wovon wir gekommen sind und was wir wollen. Ob wir eine Genehmigung
für die Tätigkeit haben, was wir hier ausüben möchten? Er wird uns nicht
erlauben, in dem Dorf tätig zu werden. Er wird uns nicht erlauben, das
Dorf in zwei Teilen zu trennen, er wird uns nicht erlauben, ihr Glauben
und ihre Religion zu verderben. Er habe dies gesagt, weil er darüber
Kenntnis verschaffen habe, dass an Standorte, wo unser Verband aufgetreten
ist, gäbe es davon nur Probleme, es habe dem Dorf nur Nachteile verursacht,
habe das Dorf in zwei Teilen getrennt. Er hat verschiedene Bespiele
erwähnt, hat über Sachen vor 10 Jahren erzählt, was er mit dem Verband
verbunden hat (Klézse 1995 usw.). Als wir gefragt haben, warum er von
der Sprechbühne behauptet hat, wir seien Sektenmitglieder, hat er Folgendes
geantwortet: er habe das so verstanden, dass alle Personen und Organisationen,
die sich ins Dorf einziehen und eine Tätigkeit anfangen (Gruppen um
sich bilden) ohne dass sie darüber irgendjemand fragen oder eine Genehmigung
dafür einholen, werden von ihm als Sekten oder Sektenmitglieder bezeichnet.
Er hat uns vorgeschlagen, alle Orte, wo im Rahmen des Tschango-Ungarischen
Verbandes unterrichtet wird, insbesondere die dort tätigen örtlichen
Pfarrer zu besuchen und sie um Erteilung eines gestempelten Beweises
darüber zu bitten, der beweist, dass die Kirche niemals irgendwelche
Probleme mit den ungarischen Unterrichtspunkten in dem Dorf gehabt hat.
Dies aus dem Grund, weil es ihm bekannt ist, dass es an vielen Orten
Probleme gibt oder gab und unsere Tätigkeit schadet den Dörfern viel,
wobei dies uns Lehrern von unseren Vorgesetzten nicht bekannt gegeben
wird. Er hat uns gebeten, in den Dörfern wo es Probleme gibt oder gab
(seitdem der Verband dort tätig ist) diese Probleme zu klären und wieder
gut zu machen, damit es keine Gegensätze gibt. Erst danach - wenn alles
überall gut funktioniert und es keine Probleme gibt - sollen wir zurückkommen
und dann wird er diese Beschäftigungen mit den Kindern genehmigen. Er
hat ferner mitgeteilt, dass er gezwungen ist, dem Bischof darüber zu
berichten, wer wir sind und was wir wollen. Er behauptete, wir werden
sogar die Genehmigung des Bischofs benötigen, da er selbst geschworen
hat zu machen, was von dem Bistum gesagt wird. Falls der Bischof erklärt,
dass wir unsere Tätigkeit fortsetzen können, wird er dies auch in der
Kirche verkündigen. Er hat noch hinzugefügt, dass der Pfarrer vor dem
Volk, vor den Christen einen einzigen Weg habe, er sei einen Schritt
vor denen, daher sollte er über alles wissen und alles werde von ihm
genehmigt. Er hat gesagt, dass die ungarische- und sogar nicht einmal
die Tschagosprache den Kindern wohl tue, weil sie nicht einmal an der
Universität gute Rechtschreiber seien, sie könnten auf Rumänisch nicht
denken, weil die beiden Sprachen verwechselt würden. Er hat uns beruhigt,
dass die tschango-ungarische Mundart innerhalb von 40 Jahren sowieso
aussterben werde und solange er das nicht genehmigen werde, würden keine
zu uns kommen.
Auch am Donnerstag hat der Pfarrer an der Nachmittagsmesse von uns geredet.
Er hat den Gläubigern über unseren Besuch und unser Gespräch Bericht
erstattet. Er hat erzählt, dass er auf die schriftlichen Bescheinigungen
von den anderen Dorfpfarrern wartete, aber solange dürften keine zu
uns kommen.
Standesbericht: am Donnerstag 1 Kind, am Freitagvormittag 2, dann am
Nachmittag schon 8 Kinder.
Und warum dies eben jetzt passiert?
Unser Verband schließt den Kaufvertrag nächste Woche bezüglich eines
Hauses in Diószeg ab, deswegen wurden die Angriffe gestartet, weil es
auch für diese Leute klar wurde, dass es nicht um einen Übergangszustand
handelt und wir es nicht vorhaben, ein bisschen hier zu sein und dann
von hier wegzugehen. Den Kauf des Hauses halten wir aus dem Grund für
wichtig, weil der Sprachenzustand in Diószeg sehr gut ist, ebenso wie
in den Nachbardörfern (Szitás, Szõlõhegy, Újfalú, Bahána usw.). Deswegen
beabsichtigen wir hier eine Basis auszubauen, damit mit den Beschäftigungen
auch in dieser Region angefangen und der Ungarischunterricht auch in
weiteren Standorten ermöglicht wird.
Unser Verband weist diese mittelalterliche Art der Einmischung der moldawischen
katholischen Kirche in die rechtmäßige und gesetzliche Tätigkeit von
Zivilorganisationen eindeutig ab. Leider haben sich die staatliche Schule
und die Dorfgemeinde auch in diesem Fall von den Geschehenen nicht ferngehalten,
sie haben die Herausbildung der ungarischfeindlichen Stimmung ermutigt.
Diószeg, am 7. März 2008
Anna Borbála Nemes und Zoltán Bogos
Ungarischlehrer in Diószeg